Führerschein mit Verfallsdatum – aber ohne Nachprüfungen?

Manche Neuerungen sind sinnvoll, andere kosten schlichtweg nur Geld. Eine solch kostenintensive Entscheidung ist der Führerschein „mit Verfallsdatum“, der jetzt auch in Deutschland eingeführt werden soll. Nach einer EU-Richtlinie in Sachen Führerschein muss dieser in Zukunft alle 15 Jahre in einen neuen Führerschein umgetauscht werden.

Hier wird dem Weg gefolgt, den Reisepässe und Personalausweise längst gehen, da hier alle Ausweisdokumente nach einem bestimmten Zeitraum durch neue ersetzt werden müssen. Beim Führerschein war dies bislang nicht der Fall, einmal den Lappen, immer den Lappen, konnte hier gesagt werden. Nun aber will Deutschland die von der Europäischen Union festgelegte Richtlinie ab 2013 umsetzen. Schön und gut, für die Führerscheininhaber wird es damit aber nicht nur teurer, sondern auch kompliziert.

Denn ein Problem stellt sich beim Führerschein dar: Während ein neuer Perso oder ein neuer Reisepass bei jeder solche Dokumente ausstellenden Behörde beantragt werden kann, ist dies beim Führerschein anders. Hier ist die ausstellende Behörde bislang das Amt, bei dem der ursprüngliche Führerschein beantragt wurde. Wer einmal seinen Führerschein verloren hat, der weiß, wie nervig und teuer eine Neubeantragung dann ist – und wie viel Zeit das dann kostet.

Ob hier bis zur Einführung der Führerscheine mit Haltbarkeitsdatum eine Änderung kommen wird, bleibt zu hoffen. Sonst werden irgendwann in ein paar Jahren die Umtauschaktionen für die abgelaufenen Führerscheine richtig nervig. Da neu erhaltene Führerscheine ab 2013 nur noch mit der Laufzeit von 15 Jahren ausgestellt werden, könnte dies einen Run auf die „Ersatzführerscheine“ ab 2028 werden. Wenn bis dahin nicht Lösungen geschaffen werden, werden die bürokratischen Hürden kaum zu überschreiten sein – und Deutschlands Autofahrer wahrscheinlich eine Menge Nerven kosten, neben dem Geld natürlich, dass dann für den „neuen“ Führerschein fällig wird.

Die alten Führerscheine, die bislang ohne Frist gelten, müssen dann bis spätestens 2033 alle ausgetauscht werden, danach verlieren sie ihre Gültigkeit. Eine Frage bleibt jedoch: Wenn Führerscheine schon erneuert werden müssen, könnte ab einem bestimmten Alter auch die Pflicht zur Nachprüfung eingeführt werden. Dies wird bereits lange diskutiert, wirklich etwas geschehen ist jedoch bislang nicht. Beides miteinander zu verbinden, wäre durchaus glaubwürdig – und für viele Führerscheininhaber auch verständlich. Alles andere reine Geldmacherei, bei welcher der Autofahrer der Dumme ist und bleibt.

Wieviel Technik sollte ein Fahrschüler kennen?

Was hält man denn von der Vorstellung, ein Pilot hätte keine Ahnung, was wirklich in seinem Flugzeug technisch abläuft? Wer würde da gerne mitfliegen? Ich nicht. Und mit einem Auto ist das anders? In gewisser Weise schon – ein Auto kann man (fast) überall anhalten – ein Flugzeug weniger.

Trotzdem, es ist schon eine Blamage, wenn man nicht mal weiß, auf welcher Seite der Tankdeckel ist und wie man den aufmacht. Da füllt man auch leicht mal Benzin in einen Diesel ein, oder schlimmer, umgekehrt, wenn man mit dem Schlauch überhaupt bis zum Einfüllstutzen hinkommt. Also meine Meinung ist, auch ein Autofahrer von heute sollte wenigstens einige technische Dinge seines fahrbaren Untersatzes schon kennen. Niemand verlangt, dass man Ventile einstellen kann oder einen Zündzeitpunkt – das muss übrigens auch der Pilot nicht können, außerdem ist das wirklich Sache der Werkstatt.

Aber wie man die Motorhaube entriegelt, das muss man schon wissen. Was soll der Salonfahrer von heute denn nun im Motorraum? Zum Beispiel mal wieder Wasser in die Scheibenwaschanlage gießen – oder will er deswegen tatsächlich in eine Werkstatt fahren? Schön wäre auch, wenn er dieses Wasser nicht versehentlich in die Ölwanne gießt oder gar in den Bremsflüssigkeitsbehälter. Ach, der Bremsflüssigkeitsbehälter – ja wo ist er denn? Da sollte man doch mal nach der Höhe des Flüssigkeitsspiegels schauen und schnellstens (aber langsam) in die Werkstatt fahren, wenn da zuviel fehlt.

Selbst meine Tante Lieschen weiß, dass ein Automotor ohne Öl nicht mehr allzu lange läuft – ob sie aber auch den Ölmessstab findet? Und den bei ihrem Automatik nicht mit dem Messstab für das Getriebefluid verwechselt? Gelegentlich kommt es vor, dass ein Motor zu heiß wird, meist weil er ohne ausreichend Kühlmittel im großen Gang einen Berg hinaufgequält wurde – oder im Winter – schlicht eingefroren ist, mangels Frostschutzmittel im Kühlwasser.

Da wäre es gut, wenn man sich vor Öffnen des Kühlwasserbehälters ein wenig an Physik erinnert: Wo ist der Siedepunkt von Wasser? 100 Grad Celsius? Ja schon, bei 1013 Hektopascal in Meereshöhe. Aber hier oben auf dem Brennerpass liegt der Siedepunkt deutlich niedriger und deshalb kann einem das kochende Wasser womöglich ins Gesicht sprudeln, wenn man den Deckel zu früh (weil es jetzt nicht mehr brodelt) öffnet.

Fahrschüler, die ihre Fahrschule hauptsächlich nach dem Kriterium des niedrigsten Preises auswählen, sollten sich mal vorher ein wenig bei Autowerkstätten nach den Stundenpreisen erkundigen, meist so von Euro 80.- /h an aufwärts. Denn dort werden sie bei zu billiger Ausbildung wahrscheinlich bald Kunde sein, vielleicht wegen technischer Fehler oder Unvermögens aber natürlich auch wegen verbogener Karosserie. Am teuersten sind übrigens Lackierwerkstätten.

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